Weihnachtszeit, Spendenzeit, Aufholzeit

Ungefähr seit Anfang November erhalte ich immer wieder Spendenbriefe. In der Advents- und Weihnachtszeit wird mehr gespendet und da es einige Unternehmen gibt, die den 13ten Monatslohn bereits Mitte November ausbezahlen, versuchen Non-Profit Unternehmen frühzeitig, auf das sich im Laufe des Jahres ergebene Spendenloch aufmerksam zu machen. Wer sich früh meldet, schafft Präferenzen, trifft eine Zeit, wo das Geld noch «vorhanden» ist.

Beim Aufruf von ERF-Medien.ch wirbt diese Unternehmen für Spenden
Beim Aufruf von ERF-Medien.ch wirbt diese Unternehmen für Spenden (Klick auf Bild führt zu ERF Medien)

Spenden braucht es, doch wie viel braucht es wirklich?

Laut der Stiftung Zewo, der schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen, haben Herr und Frau Schweizer 2012 ganze 1,644 Milliarden Franken gespendet. Das seien 28 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Gesamteinnahmen liegen bei 3 Milliarden, im Betrag dabei sind öffentliche Gelder, Schenkungen und Erbschaften. Insgesamt haben die 431 statistisch erfassten Organisationen im Jahr 2012 mehr als 3,11 Milliarden Franken eingenommen (Quelle: Zewo.ch).

Ein riesiger Markt also, den es zu bearbeiten gilt. Je älter man werde, desto mehr spende man. Vielleicht weil dann die Kinder ausgeflogen sind und man noch etwas Gutes unterstützen kann und will. Wo Not ist, unterstützt man lieber. Doch wie viel Geld es wirklich braucht, dazu kann man sich nur auf die Angaben der Spenden-Unternehmen verlassen.

Wussten Sie das:

  • 1 % der Weltbevölkerung etwa 40 % des weltweiten Vermögens hält,
  • die reichsten 2 % der Weltbevölkerung mehr besitzen als 51 % des weltweiten Vermögens,
  • auf die reichsten 10 % entfallen etwa 85 % des weltweiten Vermögens,
  • auf die unteren 50 % der Weltbevölkerung weniger entfällt als 1 % des weltweiten Vermögens?

(Quelle: wer-ist-reich.de)

Das Geld ist da, nur schlecht verteilt

Es ist leider so, dass es Korruption gibt und viele Spendengelder oder Zuschüsse bei den Bedürftigen nicht ankommen. Oder aber, der (durchaus notwendige) Administrationsapparat frisst einen grossen Teil des Geldes weg. Warum Geld allgemein so schlecht verteilt ist, warum wir nach wie vor auf Kosten von armen Ländern noch reicher werden, das lässt sich nicht hundertprozentig erfassen. Trotzdem dürfen wir nicht einfach wegschauen, sondern eine gewisse Pflicht wahrnehmen und mit Menschen aus der Dritten Welt etwas von unserem Luxus zu teilen.

Und Spenden in der Schweiz, für Schweizer?

Auch in der Schweiz gibt es Ungereimtheiten, die nur mit Spenden aufgefangen werden können. Ich nehme ein Beispiel aus der schweizerischen Medienlandschaft. Viele von uns bezahlen Radio- und TV-Gebühren, das sind gesamthaft rund 1,3 Milliarden Franken. Der Löwenanteil dieser Gelder geht mit 1,203 (92 %) Milliarden an die SRG. Die privaten Radio- und Fernsehstationen erhalten lediglich 54 Millionen. Es gibt sogar Sender, die leer ausgehen. Ein Beispiel ist das christlich geprägte Radio Life Channel. Christliche Botschaft, unverstaubt, verständlich und unaufdringlich. Eine gute Sache also. In meinen Augen gilt auch hier der Solidaritätsgedanke.

Nähe und Ferne – Pflicht und Solidarität

Bei Spenden geht es aus meiner Sicht darum, dass wir eine unausgesprochene Pflicht wahrnehmen, aber auch aus solidarischen Gründen dort helfen, wo grosse Not ist. Das Wo und das Wieviel sind nicht entscheidend. Aber das regelmässige Tun. Das Teilnehmen und Sehen, dass es Menschen in Not gibt oder Werke, die einen Job machen, der es Wert ist, unterstützt zu werden.