Gleichwertigkeit: Was passiert, wenn wir uns auf unsere Mitmenschen einlassen.

Alfred Adler, der berühmte Wiener Psychologe, sah bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts die absolute Gleichwertigkeit des Menschen. Das ist insofern erstaunlich, als diese Zeit durch starke Hierarchien und durchaus salonfähigen Rassismus geprägt war. Doch Adler war der Zeit (und vielleicht auch unserer Zeit?) voraus – und betrachtete den Menschen als Ganzes, ungeachtet dessen, wie er gesellschaftlich positioniert war. Konkret heisst das: Mitarbeiter und Chef sitzen am selben Tisch und sprechen miteinander auf Augenhöhe. Auch der Angestellte hat Mitspracherecht. Das war revolutionär – und ist es in seiner ganzen Konsequenz noch heute.

Gegenseitiger Respekt, Grundlage für das Zusammenleben
Gegenseitiger Respekt, Grundlage für das Zusammenleben

Vor 100 Jahren revolutionär – und heute aktueller denn je

Wer sich mit den 100 Jahre alten Überlegungen Adlers auseinandersetzt, stellt immer wieder fest, wie aktuell diese Gedanken heute wieder sind. Ein festes Selbstvertrauen und gleichzeitig empathisches Einfühlungsvermögen waren Werte, an denen sich Alfred Adler orientierte. Ziel der Individualpsychologie war damals wie heute die Fähigkeit, «mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören, mit dem Herzen eines anderen zu fühlen». Und das gilt nicht nur für die Freunde, sondern eben auch für die Feinde.

Mit den Feinden an einem Tisch

Das Überzeugt-Sein von der Gleichwertigkeit des Menschen hat zur praktischen Folge, dass der erwähnte Dialog auf Augenhöhe auch mit Widersachern, Konfliktparteien und Feinden geführt werden soll. Probleme und Streitigkeiten sollen am gleichen Tisch zu gleichen Bedingungen diskutiert und gemeinsam gelöst werden. Adlers Art, den Menschen ganzheitlich zu betrachten, dessen Wohlbefinden als Resultat eines ausgeglichenen Zusammenspiels der Lebensbereiche Arbeit – Liebe – Gemeinschaft zu verstehen, schlägt sich in einem erfolgreichen Konflikt-Management nieder.

Machen wir uns nichts vor!

Letztlich ist es simpel. Geboren werden wir alle gleich. Beim Sterben sind wir wieder alle dasselbe. Und für die Zeit dazwischen ist es Alfred Adler und der von ihm begründeten Individualpsychologie gelungen, die Gleichwertigkeit des Menschen bewusst zu machen, auf den Boden und an einen Tisch zu bringen. Machen wir uns nichts vor: Die Kooperation mit anderen Menschen kommt uns allen zugute. Springen wir über unseren eigenen Schatten und nehmen wir das Gespräch auf!

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Weihnachten anders erleben, Unbegreifbares zulassen können.

Es ist eines der bekanntesten Kirchenlieder ist «Näher mein Gott zu dir». Bekannt wurde es vor allem, weil es der Erzählung nach beim Untergang auf der Titanic im Jahre 1912 gesungen wurde. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia berichtet: «Als Lieblingsstück ihres Dirigenten Wallace Hartley soll es von der Kapelle beim Untergang des Schiffes gespielt worden sein. Mindestens vier der über das Unglück gedrehten Kinofilme – Titanic (1943), Untergang der Titanic (1953), Die letzte Nacht der Titanic (1958) und Titanic (1997) – folgen dieser Darstellung.» Und was hat diese für uns heute so unwirkliche Geschichte mit Weihnachten zu tun? 

Die Themen in diesem Artikel:

Weihnachten anders erleben, Unbegreifbares zulassen können.
Weihnachten anders erleben, Unbegreifbares zulassen können.

Von Gott getragen?

Manchmal wirkt diese Geschichte etwas makaber, weil das Lied im Zusammenhang mit dem Untergang der Titanic und mit dem Verlust von zirka 1500 Menschenleben eine spezielle Aussage erhält.

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Geschichten, wo Menschen in Notsituationen die Nähe von Gott intensiv gespürt hatten. Sie fühlten sich von Gott getragen.

Soweit die Geschichte und wohl soweit auch die Theorie. Den das viele Leid lässt uns immer wieder die Frage stellen: «Gibt es wirklich einen Gott?» Wir können es nicht einordnen.

Sinn, weil es not-wendig war?

Näher zu Gott. Das hat auch mit Weihnachten zu tun. Es ist ein christliches Fest, ein zentrales sogar.

Der biblische Bericht überliefert uns als Grund dafür die Geburt von Jesus Christus, der sich selbst ziemlich provokativ als Sohn von Gott positioniert hatte.

Mit diesem Statement ging er in die Weltgeschichte ein. Mit seinem Wirken, seinen Wundern und Begegnungen in liebender und provokativer Art auch. Sein Tod ist unvergesslich. Weil es laut Bibel ein Tod ist, der «Sinn» macht. Unverständlich zwar für uns. Es ging um das Leben eines Menschen, der viel Gutes getan hatte. Knapp über 30 Jahre alt.

Offensichtlich ging es um noch mehr. Es ging ums Leben überhaupt.

So beschreibt es die Bibel – um das Leben aller Menschen, um ihre Perspektiven, um die Tatsache, dass es nach diesem Leben ein neues, anderes gibt.

Christliche Sicht. Definitiv. Doch sie beinhaltet neben viel Unverständlichem eben auch viele Perspektiven.

Weihnachten ist ein Anfang. Die gelebte Zusage, dass es mehr gibt, als wir uns bewusst sind.

Näher – Weihnachten wird auch durch die Natur angekündigt

Wir feiern Weihnachten.

Auch wenn wir es in unserem Alltag in Beruf und Privatleben nicht offensichtlich spüren, so zeigt uns doch die Natur, dass Advent und Weihnachten nahen.

Es wird dunkler und kälter. Darum verbringen wir auch mehr Zeit in unseren Wohnungen. Wohn- und Lebensraum wird gefühlt enger. Auch unterwegs. Im Bus. Im Zug. Wo wir einander näher kommen, liegen Chancen und Gefahren. Zuviel Nähe bedeutet, es wird schwieriger, sich abzugrenzen. Vielleicht auch schwieriger, zu verdrängen.

Nähe löst etwas aus. Der Umgang mit Nähe hat mit unserer Persönlichkeit zu tun.

Der Reizpegel steigt und (nicht nur) Weihnachten wird zum Stressfaktor.

Auch die Natur kündigt Weihnachten an
Auch die Natur kündigt Weihnachten an

Hohe Erwartungen an dieses einzigartige Fest unterstützen den Stress noch.

Die Chance im Näher liegt dort, wo wir uns für Begegnungen bewusst öffnen, Mitmenschen mehr wahrnehmen und Nähe zulassen können.

Weihnachten fordert heraus

Geburt von Gottes Sohn, Kreuzigung, Auferstehung, Entrückung, Jüngstes Gericht – es bracht Mut, so etwas zu glauben.

Nichts davon ist greifbar. Es sind Aussagen ohne irgendwelche Videodokumente, ohne Presseberichte. Nicht aus unserer Zeit. Bleiben nur die Zeugen aus der Vergangenheit aus einer anderen Kultur. Zeugen, auch Jünger genannt. Waren sie neutral? Haben sie die allgemeingültige oder einfach nur ihre eigene Wahrheit beschrieben?

Was ist Wahrheit? Gibt es sie überhaupt?

Diese Berichte sind Ursprung der heutigen Bibel. Diese Zeugen haben Christus zwar nicht (alle) gesehen, aber laut eigenen Aussagen erlebt. Was nun? Bedeutet Weihnachten, den eigenen Verstand abzugeben? Sich auf nicht beweisbare Geschichten zu verlassen?

Näher mein Gott zu mir?

Ist es wirklich eine Frage des Verstandes und der Beweisbarkeit? Würden wir tatsächlich mehr glauben, wenn wir etwas Greifbares hätten? Und zudem, was kümmert es uns, was vor 2000 Jahren geschehen sein soll? Auf der anderen Seite ist vieles in der Weltgeschichte geschehen, aber niemand erinnert sich mehr daran.

Weihnachten scheint nachhaltig zu sein.

In dem Sinn hat sich die Präsenz von Christus bewahrt und bewährt. Vielleicht gilt ganz einfach: «Näher mein Gott zu mir». Den «Untergang» der modernen Meinung zulassen. Den Glauben an die totale Machbarkeit abgeben. Christlichen Lebenskomfort ergreifen. Sprich, die Möglichkeit erwägen, dass Weihnachten wirklich geschehen ist.

Doch Vorsicht: Nähe fördert und verändert …

© raeber-blog.ch, 21.11.2014 – überarbeitet am 7.4.2022 / Andreas Räber

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