Die Bedeutung von Inkassounternehmen für die Volkswirtschaft

Die Zahlungsmoral in der Schweiz ist seit Jahren stetig am Sinken. Laut einem Bericht des Verbandes Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute (vsi) nehmen ausstehende Forderungen und Verlustscheine weiter zu. Eine 2017 veröffentliche Studie zeigt die hohen Gläubigerkosten auf, die mit dem Forderungsinkasso verbunden sind. Inkasso ist zum Dailybusiness geworden.

Geht diese Entwicklung weiter, wird die gesamte Volkswirtschaft der Schweiz immer mehr darunter leiden.

Inkasso – Statistiken in der Schweiz

Die Studie zeigte, dass 2016 die Inkassoforderungen von 1,8 Milliarden CHF auf über 2 Milliarden CHF angestiegen sind. Dies entspricht einer Zunahme von fast 13 Prozent. Der Bestand der Verlustscheine stieg von 8 Milliarden CHF auf 10 Milliarden CHF um 10 Prozent an.

Inkasso ist nicht nötig. Vorher reagieren
Inkasso ist nicht nötig. Vorher reagieren

Welche Bedeutung haben Inkassounternehmen für die Volkswirtschaft?

Inkassounternehmen haben oft einen schlechten Ruf und werden als «Geldeintreiber»  bezeichnet. Viele Menschen verbinden mit Inkasso den ungebetenen häuslichen Besuch eines Gläubigers, der den Schuldner unter Druck setzt, seine Forderung zu begleichen.

Seriöse Inkassounternehmen arbeiten jedoch nie mit Druck, mentaler oder physischer Gewalt, sondern zeichnen sich durch Transparenz und Gesetzestreue aus. Sie versuchen, einen Interessenausgleich zwischen Gläubiger und Schuldner herzustellen.

Tatsächlich tragen Inkassounternehmen wesentlich zur Stabilisierung der Volkswirtschaft bei und zwar aus folgenden Gründen:

1. Inkassounternehmen sichern Existenz von Unternehmen

Allein in Deutschland realisiert die seriöse Inkassowirtschaft rund 5 Milliarden Euro an unbezahlten Forderungen.

Durch ihre Arbeit sichern sie so die Existenzgrundlage von Unternehmen, für die ein kompletter Ausfall der Forderungen verheerende Folgen hätte.

Je schneller Unternehmen zu ihrem Geld kommen, desto besser für ihre Liquidität und Bonität. In Krisenzeiten profitieren besonders KMU vom raschen und erfolgreichen Durchsetzen offener Forderungen durch professionelle Inkassounternehmen.

Inkasso-Unternehmen sorgen für Preisstabilität
Inkassounternehmen sorgen für Preisstabilität

2. Inkassounternehmen sorgen für Preisstabilität

In der Schweiz müssen Gläubigerunternehmen im Schnitt 225 Minuten aufwenden, um eine Forderung gegenüber einem Schuldner durchzusetzen. Pro Forderung entspricht das ca. CH 280,-. Doch wer bezahlt diese Kosten?

Unternehmen kalkulieren bei der Preisgestaltung die Verfolgung von Zahlungsforderungen mit ein. Letztendlich sind es also die ehrlichen Kunden, die höhere Preise zahlen müssen, weil einige Kunden offenen Forderungen nicht nachkommen. Durch Inkassounternehmen wird diese Diskrepanz zumindest teilweise ausgeglichen und die Preise können stabil gehalten werden.

3. Arbeitsplätze werden geschaffen und erhalten

Würde es keine Inkassounternehmen geben, müssten viele Unternehmen Arbeitsplätze streichen oder die Löhne kürzen, um mit den Forderungsausfällen zurechtzukommen. Nicht zuletzt ist die Inkassobranche für viele Menschen auch ein Arbeitgeber und schafft Arbeitsplätze.

4. Die weitere Zusammenarbeit zwischen Gläubiger und Schuldner wird ermöglicht

Inkassounternehmen ermöglichen die weitere Zusammenarbeit zwischen Gläubiger und Schuldner. Würde die Forderung unbezahlt bleiben, würde höchstwahrscheinlich weder das Unternehmen noch der Schuldner eine weitere Zusammenarbeit in Betracht ziehen. Inkassounternehmen sorgen daher dafür, dass die Wirtschaft im Fluss bleibt.

5. Gerichte werden entlastet

Durch die aussergerichtliche Betreibung von Forderungen werden die Gerichte entlastet. Im Umkehrschluss werden damit auch die Schuldner entlastet, denn für diese bedeutet die aussergerichtliche Einigung auch eine Vermeidung von Anwalts- und Gerichtskosten.

Fazit: Die Arbeit von Inkassounternehmen sorgt für Preisstabilität und Liquidität von Schweizer Unternehmen. Damit trägt sie einen wesentlichen Teil zum Funktionieren der Volkswirtschaft bei.

Wenn die Zahlungsmoral in der Schweiz weiter sinkt, wird die Bedeutung von Inkassounternehmen wachsen, ansonsten droht mittel- bis langfristig eine Erhöhung der Preise, Senkung der Löhne und Schwächung der Schweizer Volkswirtschaft im  Allgemeinen.

Quellen:

ecollect.de/wiki/geldeintreiber/

Weiterführende Tipps zum Thema:

Vom Umgang mit Forderungen

Vom Umgang mit Inkasso-Forderungen

Forderungen, alleine das Wort löst bereits ein spezielles Gefühl aus. Wir werden zwar gerne gefordert, zumindest im beruflichen Bereich und vor allem dann, wenn Foderungen lösbar sind. Doch einige Forderungen haben etwas sehr Einengendes an sich. Nehmen uns einen Teil unserer Freiheit. Da ist untergründig etwas Unerledigtes. Etwas, das ständig «anklopft» und hartnäckig bleibt. Es will geklärt werden. Ein Paradebeispiel für solche Forderungen sind die finanziellen. Gemeint sind diejenigen, die aus dem Ruder gelaufen sind.

Schuld sind am Ende dann die andern. Die Inkassobüros mit ihren lästigen Mahnungen und Gebühren. Wirklich?

Finanzielle Forderungen und Fristen

Dass eine Zahlung mal untergeht, kann passieren. Schliesslich hat man ja 30 Tage Zeit, um eine Rechnung zu begleichen. So denken wir. Doch da liegen wir falsch. Laut «Rechnungen zahlen: Die zehn häufigsten Irrtümer» (Kassensturz, SRF.ch) gilt in der Schweiz Ware oder Dienstleistung gegen Zahlung – also im gleichen Moment. Die in der Praxis häufig aufgeführte 10- oder 30-Tage-Frist ist ein Entgegenkommen des Anbieters. Kommt dazu, das diese Fristen nicht so zu verstehen sind, dass man erst am letzten Tag einzahlt, sondern dass das Geld  spätestens innert der 10- oder 30 Tage-Frist eintreffen muss.

Dass Herr und Frau Schweizer es mit der Zahlungsfrist nicht so eng nehmen, zeigt die Tatsache, dass im Jahr 2018 laut Zahlen des Bundesamts für Statistik insgesamt 2 967 555 Zahlungsbefehle verschickt wurden. (Quelle: bfs.admin.ch)

Früher besitzen und später (eventuell) bezahlen

Zugegeben, gewissen Produkte sind heute sehr leicht zu erwerben. Null Prozent Leasing und ähnliche Anreize (Abzahlen, Kredite etc.) und schon greifen wir zu und fahren das neueste Auto. Alles durchgerechnet. Der Fall ist klar: Wir fahren so billiger! Das kann zudem schon mal wichtig sein, wenn man im sozialen Umfeld einen gewissen Respekt und Anerkennung haben will. Das Leben bietet nicht nur Schönes, sondern auch viele Risiken. Kommt es zu einem Unfall, kann Leasing teuer zu stehen kommen. Irgendwer muss immer irgendwo etwas zahlen. Und wenn gegen drei Million Mahnungen versendet werden müssen, dann hat das immense Kosten zur Folge, die im Grunde genommen nicht sein müssten. Die Post wird’s vielleicht freuen.

Wer will, soll bezahlen und wer nicht kann, soll verzichten

Da fliegt schon wieder eine Mahnung ins Haus. Neuerding ist es von einem Inkasso-Unternehmen. Neu sind auch die Verzugszinsen und der Verzugsschaden aufgeführt. Klar, letzteres muss man nicht bezahlen. Die bösen Inkassobüros umgehen das Gesetz. (Anm. Es gibt ungerechtfertigte Mahnungen und Betreibungen. Diese sind hier nicht gemeint.)

Doch da, wo man etwas bestellt und korrekt erhalten hat, liegt die Pflicht nun mal beim Käufer. Da dem Inkassobüro die Schuld zu geben, wäre falsch.

Wäre alles mit rechten Dingen zu und her gegangen, bräuchte es keinen Inkassodienst.

Laut Statistika.de sind laut einer Umfrage die häufigsten Gründe für das Nichtbezahlen von offenen Rechnungen Überschuldungen, Arbeitslosigkeit, vorsätzliches Nichtbezahlen, momentaner Liquiditätsengpass, Vergesslichkeit, Reklamation des Kunden.

Ich möchte hier auf eine Pauschalverurteilung zahlungsunfähiger Kunden und diverser Inkassofirmen bewusst verzichten. Die oben genannten Punkte sprechen für sich.

Und doch bleibt die Frage im Raum, wie viel an Mahnungen und Betreibungen wirklich nicht zu vermeiden ist.

Mein erstes eigenes Radiogerät

Als ich Teenager war, arbeitete ich für einen Stundenlohn von Fr. 1.50 bis 2.20 in einer Gärtnerei. In meinen Sommerferien habe ich gegen Fr. 200.- verdient und mir mit meinem ersparten Geld ein Sanyo-Radio-Gerät kaufen können. Dieses Gefühl, etwas selbst verdient zu haben, ist unvergesslich. Es war nicht das Gerät selbst, sondern der Weg dazu, der mich so stolz gemacht hat und mir geholfen, dieses Radio zu hegen und zu pflegen.

Manchmal braucht es Kredite. Ja. Mein Hinterfragen gilt Luxusartikeln, Dienstleistungen und Produkten, die wir bei näherem Hinsehen gar nicht brauchen würden. Es geht um unsere innere Einstellung. Um die richtige Reihenfolge. Sparen und dann bestellen ist immer noch am günstigsten …

Quellenangaben:

Gefälschte Inkasso-Schreiben und wie man darauf reagieren soll

Dass Inkasso-Schreiben für Konsumenten ein rotes Tuch sind, hat verschiedene Gründe. Ein Inkasso-Berater, der den richtigen Ton nicht findet oder ein Brief mit einer Zahlungsforderung, die einen gar nicht betrifft, sind zwei typische Gründe, warum Inkasso ein emotionales Thema sein kann. Solche Fälle sind zwar eher selten. Es sei den, Betrüger nützen die Unsicherheit von Konsumenten aus.

Inkasso-Schreiben und wie man darauf reagieren soll
Genauer hinsehen, bei Inkasso-Forderungen.

Achtung vor Betrügern

«Mit gefälschten Inkasso-Schreiben machen Unbekannte jagd auf Geld.» warnte die Schwyzer Kantonspolizei im April 2015. Der Absender, die sogenannte TCR International, hatte Inkasso-Schreiben versendet, in der Absicht, Geld von den Angeschriebenen zu erhalten. Solche Schreiben können getrost vernichtet werden.

Wie erkennt man, ob ein Inkasso-Schreiben echt oder gefälscht ist?

Jeder Mensch weiss in der Regel, ob und wo er etwas bestellt hat. Wenn dem nicht so ist (jedem kann mal etwas untergehen), empfiehlt sich eine Abklärung. Aber nur dann, wenn der Inkassofirma-Absender und das angegebene Bankkonto glaubwürdig sind. Die Luzernerzeitung.ch empfiehlt, sich die IBAN Nummer genau anzusehen. Dort sei es besonders leicht zu erkennen, wohin das Geld zu überweisen ist. Die Buchstaben am Anfang geben das Land an, in dem der Empfänger sein Konto hat. Bei Unsicherheiten kann man sich via Internet informieren. Zum Beispiel bei Google News oder in der Suchmaschine selbst. Einfach den Namen des Unternehmens eingeben und dann nachforschen.

Inkasso-Betrüger - sich via Googel News updaten
Sich via Google News über aktuelle Beiträge zu Inkasso-Betrüger informieren

Inkassobetrug wird immer wieder versucht

Eine andere Meldung spielt sich in Deutschland ab. Anfang August scheint eine angebliche Anwaltskanzlei aus London Geld eintreiben zu wollen. Ihr Bankkonto ist in Rumänien. Für die Schuldner seien Beträge um die 750 Euro offen. Die Kanzlei biete zur Erledigung der Forderung einen Vergleich in Höhe von 323 Euro an. Sie verspreche, nach ordnungsgemässer Zahlung, die Restforderung zu erlassen. Erfolge jedoch keine Zahlung, würde die Zahlungsaufforderung gerichtlich geltend gemacht werden.

Inkasso ist ein Spiel mit Unsicherheit und mit Angst und Druck. Niemand möchte vor Gericht kommen und dessen Kosten tragen müssen, geschweige denn, einem Urteil ausgesetzt zu sein. «Das kann teuer werden… » Diese Art der Kommunikation ist ausgesprochen fies, weil nur unwissende und unsichere Menschen darauf hereinfallen. Doch woran erkennt man seriöse Inkasso-Firmen? Seriöse erwähnen mindestens bestimmte Pflichtangaben wie den Namen und die Firma des Auftraggebers, den Vertragsgegenstand und das Datum des Vertragsschlusses.

Quellen: